Die realistische Einnahmenrechnung

Viele Vermieter rechnen so: 80 Euro/Nacht × 365 Nächte = 29.200 Euro im Jahr. Das ist Wunschdenken. Die realistische Formel lautet:

Jahreseinnahmen = Nächtigungspreis × verfügbare Nächte × Auslastungsrate − Provision − Reinigung − Nebenkosten − Steuer

Jede dieser Variablen muss realistisch eingeschätzt werden. Schauen wir sie uns der Reihe nach an.

Beispielrechnung: 2-Zimmer-Wohnung in Bayern

Nehmen wir eine konkrete 2-Zimmer-Wohnung (55 m²) in der Region Starnberg/München als Beispiel:

16.320 €Bruttoeinnahmen (Beispiel)
~9.200 €Nettoertrag nach Kosten
60 %Reale Auslastung Ø

Was von den Einnahmen noch abgeht

Plattformprovision (Airbnb/Booking)

Airbnb erhebt ca. 3 % vom Vermieter, plus bis zu 15 % vom Gast. Auf Booking.com zahlt der Vermieter ca. 15–17 % Provision auf die gesamte Buchungssumme. Im Beispiel bei Airbnb: ca. 490 Euro für den Vermieteranteil.

Reinigungskosten

Bei 192 belegten Nächten und durchschnittlich 4 Nächten pro Buchung sind das ca. 48 Reinigungen. Bei 45 Euro/Reinigung: 2.160 Euro. (Wenn du selbst reinigst, fällt das weg, aber deine Zeit hat ebenfalls einen Wert.)

Nebenkosten

Strom, Wasser, Internet, Heizung für die Wohnung – realistisch 150–250 Euro/Monat, also 1.800–3.000 Euro/Jahr. Bei einer vermieteten Wohnung sind die Kosten höher als leer stehend.

Kleinreparaturen & Verbrauchsmaterial

Glühbirnen, Töpfe, Handtücher, Bettwäsche, Reinigungsmittel, Vorräte – ca. 600–1.000 Euro/Jahr.

Steuer

Einkünfte aus Ferienvermietung sind steuerpflichtig. Abhängig vom persönlichen Steuersatz (25–42 %) und von abzugsfähigen Kosten. Mehr dazu in unserem Artikel zu Steuern bei Ferienwohnungen.

Was bleibt übrig?

Im Beispiel: 16.320 − 490 (Provision) − 2.160 (Reinigung) − 2.400 (Nebenkosten) − 800 (Verbrauch) = 10.470 Euro vor Steuer. Nach Steuer (Annahme 25 % Grenzsteuersatz): ca. 8.500–9.000 Euro netto im Jahr.

Das sind rund 750 Euro/Monat netto – ein attraktives Nebeneinkommen für eine Wohnung, die ohne Ferienvermietung leer stehen oder für deutlich weniger vermietet würde.

Wann lohnt sich Ferienvermietung?

Ferienvermietung lohnt sich besonders, wenn:

Wann lieber Langzeitmiete?

Langzeitmiete ist oft die bessere Wahl, wenn:

Vergleich: Langzeitmiete vs. Ferienvermietung

In guter Lage und mit optimiertem Marketing übertrifft die Ferienvermietung die Langzeitmiete – aber erst nach Optimierung. Wer nur das Nötigste tut, liegt oft auf Augenhöhe mit der Langzeitmiete.

Fazit: Ferienvermietung ist ein realistisches Nebeneinkommen – aber kein passives. Die ersten Monate kosten Zeit und Energie. Wer das investiert und professionell aufstellt, verdient langfristig deutlich mehr als mit der Langzeitmiete.